Sie finden hier in Kurzfassung drei Studien zur Prismenbrille:
 Lesefortschritte mit und ohne Prismenbrille   
 
Die LEGAMU - Studie    
Erfolgsbeobachtung in der augenoptischen Praxis

 

Lesefortschritte mit und ohne Prismenbrille
 (nach einem Vortrag beim Fachkongress der IVBV am 8.6.2001 in Lahnstein)

Nach ausführlichen Untersuchungen und Auswertungen der Daten hat sich herausgestellt, dass der WS Lesetest geeignet ist, die Fortschritte beim Lesen zu messen. Im nächsten Schritt wurde die Frage untersucht, ob sich die Lesegeschwindigkeit bei Kindern mit und ohne Prismenbrille im Gruppendurchschnitt unterscheidet.

Dazu wurden zwei Gruppen gebildet: eine Kontrollgruppe mit 98 Kindern im Alter zwischen 7 und 10 Jahren. Die Kinder wurden an einer Grundschule in der Nähe von Freiburg mit dem WS Lesetest geprüft und nach genau 4 Monaten ein zweites Mal geprüft. In der Zwischenzeit fand der normale Schul-Unterricht statt, aber keine spezielle Förderung.

Für die Prismengruppe wurden die Daten von insgesamt 121 Kindern ausgewertet, die bei Pestel Optik in Dresden, bei Meister Frick in Freudenstadt und bei Saegner Optik in Freiburg eine Prismenbrille erhalten hatten. Alle diese Kinder waren zwei mal mit dem WS Lesetest geprüft worden: das erste Mal bei der Sehberatung und Augenglasbestimmung, aufgrund derer sie ihre Brille verordnet bekommen hatten - das zweite Mal bei der Nachbetreuung, um das Korrektionsergebnis zu überprüfen.
Damit die Prismengruppe zur Kontrollgruppe vergleichbar ist, wurden für die weitere Datenauswertung nur die Kinder ausgewählt, die ebenfalls zwischen 7 und 10 Jahren alt waren und nach einem Zeitraum von drei  bis vier Monaten zum zweiten Mal geprüft worden sind. Genau 40 Kinder erfüllten diese Kriterien.

In der folgenden Abbildung ist die prozentuale Änderung der Lesegeschwindigkeit dargestellt:

Lesefortschritte mit und ohne Prismen 

 

Im Durchschnitt haben sich die Kinder der Kontrollgrupp e im Zeitraum von 4 Monaten um 20 Prozent verbessert, während sich die Kinder mit Prismenbrille um 37 Prozent verbessert haben.

 Die roten Balken geben den "Vertrauensbereich" an. In diesem Bereich befinden sich die Ergebnisse von 95% aller Kinder.
Die große Streuung in der Prismengruppe ist unter anderem durch die  kleinere Anzahl von Kindern begründet.

Die Tatsache, dass sich die Grenzen der Streubereiche nicht überschneiden zeigt an, dass es eine statstisch signifikant stärkere  Verbesserung in der Gruppe der Kinder mit Prismenbrillegegeben hat.

 

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Die LEGAMU - Studie

Prismenbrillen bei LEGAsthenie: MUltizentrische, interdisziplinäre, kontrollierte, prospektive Studie,   Pilotprojekt in Freiburg

veröffentlicht in der OPTOMETRIE, 4. Quartal 1999, Bestellungen des Originals bitte an mich senden

Zusammenfassung

In der LEGAMU - Studie soll untersucht werden, wie sich die Leseleistung von Legasthenikern verändert, wenn eine vorhandene  Fehlsichtigkeit nach verschiedenen Methoden korrigiert wird.

Speziell wird die Frage behandelt, ob sich Fortschritte beim Lesen unterscheiden, wenn entweder eine Prismenbrille nach MKH (Mess- und Korrektionsmethodik nach H.-J. Haase) oder die herkömmliche (rein refraktive) Brillenkorrektion verordnet wird.

 Die LEGAMU - Studie ist multizentrisch in verschiedenen Städten der Schweiz, Österreichs und Deutschlands geplant und wurde als Pilotprojekt in Freiburg durchgeführt. Hier nahmen acht Kinder aus der  dritten Klasse einer Freiburger Grundschule teil, wo sie wegen ihrer starken Lese-Rechtschreibprobleme in speziellen Legastheniker-Klassen gefördert werden.

 Nach Zufallsauswahl bekamen vier Kinder ihre binokulare Vollkorrektion nach MKH (Prismenfall), vier Kinder wurden refraktiv korrigiert (Kontrollfall).

 Das Vorhandensein ein Winkelfehlsichtigkeit war Voraussetzung zu Teilnahme an der Studie und alle Kinder entsprachen diesem Kriterium. Sechs der acht Kinder erfüllten die weiteren strengen  Aufnahmekriterien. Vor Studienbeginn und danach in regelmäßigen Abständen wurde als Erfolgskontrolle die Lesegeschwindigkeit mit einem speziell entwickelten Lesetest überprüft. Zeitnah wurden die  Korrektionswerte überprüft und ggf. neu verordnet.

Ergebnisse:
Aufgrund der kleinen Gruppe sind keine repräsentativen Aussagen möglich,  sondern nur die Beobachtung von Einzelfällen. Dennoch ist bemerkenswert, dass im Lesetests alle drei Kinder mit Prismenkorrektion nach MKH, die den  Aufnahmekriterien der Studie entsprachen, teils sehr große Fortschritte zeigten, während bei den Kontrollfällen nur ein Kind besser wurde. Am besten  entwickelte sich das Kind, das im Lesetest vor Beginn am schlechtesten war. Bereits vier Wochen nach der ersten Prismenkorrektion seiner Eso-Winkelfehlsichtigkeit (verborgene Einwärts-Fehlstellung) hatten sich die  Zeiten nahezu verdoppelt. Dies kann nur aufgrund der spezifischen Effekte der Prismen erklärt werden, denn eine Korrektion von Kurz- oder Weitsichtigkeit  oder von Hornhautverkrümmung war bei diesem Kind nicht notwendig.
 

Die gelegentlich ausgeprochene Warnung vor Prismenbrillen lässt sich  angesichts der hier bestätigten Praxis-Erfolge nicht aufrecht erhalten. Wie sich auch in der weiter unten gezeigten Stärkenverteilung klar wird, sind hohe Prismenwerte sehr selten zu finden (maximal in 3-5% aller  Korrektionen).
Somit überwiegt der Nutzen in der großen Mehrzahl aller Fälle!

Lesezeiten im Lesetest vor Beginn 

 Abbildung 1: Lesezeiten vor Beginn der Studie

Die vier verschiedenfarbigen Säulen stehen für jeweils verschieden schwierige Lesetexte, die jedes Kind vor Studienbeginn lesen sollte. Je  höher die Säule, desto mehr Sekunden hat ein Kind zum Lesen benötigt. Links sind die vier Prismenfälle, rechts die vier Kontrollfälle zu finden.

Lesetest nach 1 Monat
Abb. 2 Lesezeiten nach 1 Monat

Deutliche Verbesserungen bei den ersten beiden Kindern der Prismengruppe.

 

Lesetest nach 12 Monaten
Abb. 3 Lesezeiten nach 12 Monaten

 Weitere Verbesserungen bei den ersten beiden Kindern mit Prismenbrille auf das Durchschnittsnieveau. Leichte Verbesserung der ersten beiden Kinder aus der Kontrollgruppe. Bei den letzten beiden  Kindern der Kontrollgruppe sind die Zeiten sogar schlechter, als zu Beginn der Studie.

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Erfolgsbeobachtung in der augenoptischen Praxis:

Prismenbrillen bei Kindern, die nicht freiwillig lesen

Die Verordnung von Prismenbrillen wird in Fachkreisen nicht einheitlich beurteilt. So entstand die Idee einer praxisnahen  Erfolgsbeobachtung, in die alle Schulkinder aufgenommen werden, die nicht freiwillig lesen. In Zusammenarbeit mit meinem Kollegen Wulf-Dietrich Saup in Freudenstadt haben wir in zwei augenoptischen  Fachgeschäften  ( Saegner Optik Wiehre, Freiburg und Meister Frick , Freudenstadt) im Zeitraum von Mai 1997 bis April 1998 den Erfolg unserer Brillenkorrektionen ausgewertet.

Mittels eines ausführlichen Fragebogens,  der dem Elternfragebogen Test-Fragen  ähnlich ist Test pdf-Datei (12kB), wurde vor und etwa acht  Wochen nach Korrektion das Ausmaß und die Veränderung der subjektiven Sehprobleme festgehalten.

I nsgesamt nahmen 183 Schulkinder an der Erfolgsbeobachtung teil. Bei 141 Kindern wurden neue Brillenstärken verordnet und der Erfolg anhand der Fünfer-Skala ermittelt.

 Die folgende Grafik schlüsselt die Stärkenverteilung auf:
 
 Häufigkeit von Prismenstärken

Die meisten Brillenverordnungen hatten Stärken unter 6 Prismen (Einheit:  cm/m). Diesen Brillen sieht man nicht an, dass es sich um spezielle Gläser handelt.

Bei der Vorbefragung wie auch bei der Nachkontrolle wurde der selbe Fragebogen verwendet und die Fragen jeweils offen formuliert. Damit  sollte eine Beeinflussung von Eltern und Kindern minimiert werden. Als leichter Erfolg wurde gewertet, wenn von den insgesamt 24 Fragen mindestens 6 Fragen um einen Punkt besser bewertet wurden. Als starker Erfolg zählte eine zusätzliche Verbesserung bei mindestens zwei Fragen um zwei Punkte.

Im folgenden Diagramm ist die Erfolgsaufstellung zu ersehen:

 Erfolg durch Prismenbrillen

Am interessantesten erscheint mir die Entwicklung bei Kindern mit Kopfschmerzen. In unserer Gruppe haben insgesamt 75 Kinder angegeben, unter Kopfschmerzen zu leiden. Zum Zeitpunkt der Nachkontrolle waren 68 Kinderentweder völlig beschwerdefrei oderspürten eine deutliche Verbesserung.
Erfolg bei Kopfschmerzen
 
Dies sind sehr schöne Ergebnisse, die den Praxiserfolg der Prismenbrillen bestätigen. Unsere Erfolgsbeobachtung soll aber nicht verallgemeinert werden,  da wir aufgrund der Praxisnähe keine repräsentative Gruppe beobachtet haben.
Die Verordnungen der Prismenbrillen beim Augenoptiker fanden bei Kindern  statt, die bereits augenärztlich untersucht waren und  von Beratungsstellen, Schulen oder therapeutischen Einrichtungen überwiesen wurden. Daher hatte  bereits eine Vorauswahl stattgefunden. Ausserdem erhielten die Kinder, bei denen keine Sehprobleme festzustellen waren, keine Brillenkorrektion.
 
Eine Zusammenfassung der Doppelblind-Studie über Prismenkorrektion versus konventionelle Korrektion finden Sie
hier als PDF-Datei (12kB)
 
Ü ber ein weiteres, sehr leicht anzuwendendes Hilfsmittel kann man sich auf der Seite
Besser lesen mit Farben? informieren: die farbigen Lesefolien.

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  zuletzt überarbeitet am  21.07.2014

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